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Blähungen beim Baby lösen: 7 Griffe die wirklich helfen

Die Klassiker aus TCM, Osteopathie und Hebammenkunde. Sanft, sicher, und meist sofort wirksam.

Susan · 9 Minuten Lesezeit · Aktualisiert: April 2026

Das findest du hier

Die schnelle Antwort

Die 7 wirksamsten Griffe gegen Blähungen beim Baby in optimaler Reihenfolge: warme Hand auf den Bauch, Bauchmassage im Uhrzeigersinn, der Pups-Punkt Qi Hai, Fahrrad fahren mit den Beinchen, beide Knie zum Bauch, Fliegergriff und der Solarplexus-Punkt am Fuß. Jeder Griff dauert 30 bis 60 Sekunden, die ganze Sequenz 5 bis 7 Minuten. Erst entkrampfen, dann bewegen, dann mobilisieren. Bei akuten Blähungen mehrmals täglich anwendbar. Wichtig: nur sanft und nie sofort nach der Mahlzeit.

Dein Baby windet sich und drückt. Du willst nur eins: dass der Schmerz aufhört.

Es wirkt als würde es sich die Seele aus dem Leib pressen. Das Gesicht knallrot, die Beinchen angezogen, der Bauch steinhart wie ein kleiner Ballon. Dein Baby gibt alles um die Luft rauszubekommen, aber sie will einfach nicht. Du stehst daneben mit klopfendem Herzen, fühlst dich hilflos, googelst panisch in einer Hand und wiegt dein Baby mit der anderen.

Atme einmal durch. Du bist nicht allein damit. Blähungen sind die häufigsten körperlichen Beschwerden in den ersten 4 Monaten. Fast jedes Baby hat sie, manche mehrmals am Tag. Studien zeigen dass über 80 Prozent aller Säuglinge in dieser Zeit unter regelmäßigen Blähungen leiden. Es ist also kein Zeichen dass du etwas falsch machst. Es ist Biologie.

Die gute Nachricht: Es gibt sehr wirksame Griffe die du selbst anwenden kannst. Keine Medikamente, keine Tropfen, keine Geheimrezepte. Nur deine warmen Hände, die richtige Reihenfolge und etwas Wissen aus TCM, Osteopathie und der jahrhundertealten Hebammenkunde. In den nächsten Minuten lernst du die 7 wichtigsten Griffe, in welcher Reihenfolge sie am besten wirken, und was du tun kannst um Blähungen schon vorbeugend zu reduzieren.

Warum Babys so oft Blähungen haben

Der Darm eines Babys ist in den ersten 12 bis 16 Wochen noch eine Großbaustelle. Die Darmflora bildet sich gerade erst, die Peristaltik (das ist die wellenförmige Bewegung die Luft und Nahrung weitertransportiert) ist noch unkoordiniert, und die Verdauungsenzyme arbeiten noch nicht auf Vollgas. All das führt dazu dass die Verdauung langsamer und ungleichmäßiger läuft als später.

Dazu kommt: die geschluckte Luft. Beim Trinken schluckt jedes Baby Luft, egal ob an der Brust oder mit der Flasche. Manche Babys mehr, manche weniger. Diese Luft landet im Magen, muss durch den Darm wandern und soll am Ende als Pups oder Bäuerchen wieder raus. Wenn auch nur einer dieser drei Schritte hakt, staut sich Luft. Der Bauch wird hart, die Schmerzen kommen, das Weinen beginnt.

Und dann ist da noch ein dritter Faktor den viele unterschätzen: das Nervensystem. Bei Überreizung, Stress oder zu viel Eindrücken verkrampft der Darm. Die Luft kommt noch schlechter durch. Das macht mehr Druck. Dein Baby weint. Durch das Weinen schluckt es noch mehr Luft. Ein Teufelskreis. Genau hier setzen die Griffe an, die ich dir jetzt zeige: Sie unterbrechen den Kreislauf an mehreren Stellen gleichzeitig.

Die 7 Griffe in der optimalen Reihenfolge

Die Reihenfolge ist nicht beliebig. Sie folgt einer einfachen Logik: erst entkrampfen, dann sanft bewegen, dann mobilisieren. Wenn du die Reihenfolge einhältst, wirken die Griffe deutlich besser als wenn du sie wild durchmischst. Jeder Griff dauert 30 bis 60 Sekunden. Die ganze Sequenz ist in 5 bis 7 Minuten durch.

Griff 1: Warme Hand auf den Bauch (1 Minute)

Bevor du irgendeinen Druck oder eine Bewegung anwendest, kommt Wärme. Leg deine warme Hand oder ein leicht angewärmtes Kirschkernkissen auf den Bauch deines Babys. Eine Minute lang. Mehr nicht. Das entkrampft die Darmmuskulatur, öffnet die Gefäße und bereitet alles für die nächsten Griffe vor.

Praktischer Tipp: Wenn deine Hände gerade kalt sind, reib sie kurz aneinander bis sie warm werden. Oder halte sie unter warmes Wasser. Eine eiskalte Mama-Hand auf einem schmerzenden Babybauch ist kein guter Start. Bei Kirschkernkissen: nur lauwarm, nicht heiß. Im Zweifel an der Innenseite deines eigenen Handgelenks testen.

Griff 2: Bauchmassage im Uhrzeigersinn (1 Minute)

Mit deiner flachen Hand oder zwei Fingern kreist du sanft im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel. Die anatomische Logik dahinter: Der Dickdarm verläuft im menschlichen Körper rechts unten beginnend nach oben zum Rippenbogen, dann quer nach links und schließlich links runter zum Ausgang. Wenn du im Uhrzeigersinn massierst, unterstützt du genau diese natürliche Transportrichtung.

Wichtig: sehr sanfter Druck. Die Haut sollte sich mit deiner Hand mitbewegen, nicht mehr. Stell dir vor du würdest einen reifen Pfirsich massieren und nicht zerquetschen. 1 Minute, langsame und gleichmäßige Kreise. Wenn du dazu leise summst oder ein Lied flüsterst, beruhigt das zusätzlich.

Griff 3: Der Pups-Punkt Qi Hai (30 Sekunden)

Etwa zwei Fingerbreit unter dem Bauchnabel liegt der TCM-Punkt Qi Hai, was so viel heißt wie „Meer der Energie“. In der Traditionellen Chinesischen Medizin gilt dieser Punkt als zentrale Schaltstelle für die gesamte Bauch-Energie und wird seit Jahrtausenden zur Aktivierung der Verdauung genutzt.

Anwendung: Mit zwei Fingern (Zeige- und Mittelfinger) sanfte Kreise im Uhrzeigersinn machen, 30 Sekunden lang. Oft kommt schon während oder direkt nach diesem Griff der erlösende Pups. Wenn nicht, einfach weiter zur nächsten Stufe. Die Wirkung baut sich kumulativ auf.

Griff 4: Fahrrad fahren (10 bis 15 Wiederholungen)

Leg dein Baby auf den Rücken, greif die Beinchen sanft am Knöchel oder unter den Knien. Dann ziehst du abwechselnd ein Knie zum Bauch und wieder zurück. Linkes Knie zum Bauch, zurück. Rechtes Knie zum Bauch, zurück. Langsam und rhythmisch, in einem entspannten Tempo. 10 bis 15 Wiederholungen reichen meistens.

Diese Bewegung massiert den Darm von außen und hilft der Luft mechanisch dabei, ihren Weg nach unten zu finden. Manche Babys finden das Fahrradfahren sogar lustig und beruhigen sich allein durch den Rhythmus. Wenn dein Baby sich versteift oder weint, sofort sanfter werden oder kurz pausieren.

Griff 5: Beide Beine gleichzeitig hoch (5 Wiederholungen)

Jetzt ziehst du beide Knie gleichzeitig sanft zum Bauch und hältst die Position 5 Sekunden. Dann lässt du langsam wieder los. 5 Wiederholungen. Der Druck auf den Bauch ist hier stärker als beim Fahrradfahren und kann verklebte Luftblasen lösen, die sich vorher hartnäckig festgesetzt hatten.

Wichtig: nur sanft, nie ruckartig. Und nur wenn der Bauch durch die Massage davor schon gelockert ist. Wenn du diesen Griff zu früh in der Sequenz machst, kann es unangenehm für dein Baby sein. Reihenfolge zählt.

Griff 6: Fliegergriff (2 bis 3 Minuten)

Der Fliegergriff ist ein echter Klassiker und vielleicht der wirksamste Griff überhaupt. Du legst dein Baby bauchseitig auf deinen Unterarm. Der Kopf liegt in deiner Armbeuge, die Beinchen hängen locker beidseitig vom Arm runter. Mit deiner anderen Hand stabilisiert du den Po von unten.

Was hier passiert: Der leichte Druck deines Unterarms auf den Babybauch wirkt wie eine sanfte horizontale Massage von unten. Gleichzeitig entspannt die Bauchlage den ganzen Körper, weil sie den Vagusnerv aktiviert. Geh dabei langsam durch den Raum, summe oder singe leise. 2 bis 3 Minuten reichen meistens. Viele Babys schlafen in dieser Position sogar entspannt ein, sobald die Luft entwichen ist.

Griff 7: Der Solarplexus-Punkt am Fuß (20 Sekunden pro Fuß)

Das letzte Werkzeug in deinem Arsenal. In der weichen Mulde direkt unter dem Fußballen, also im oberen Drittel der Fußsohle zentriert, liegt der Solarplexus-Reflexpunkt. Mit deinem Daumen drückst du diesen Punkt sanft 20 Sekunden lang pro Fuß.

Dieser Punkt beruhigt das gesamte Nervensystem, entspannt das Zwerchfell und damit indirekt den oberen Verdauungstrakt. Besonders wirksam wenn die Blähungen aus Überreizung oder Stress entstehen und nicht nur aus reiner Luft im Bauch. Bei Cluster-Stillen am Abend, in der berühmten Hexenstunde zwischen 17 und 21 Uhr, wirkt dieser Punkt oft Wunder.

Mein Geheimtipp

Mach die Sequenz nicht erst dann wenn dein Baby schon weint, sondern präventiv vor den typischen Hexenstunden zwischen 17 und 21 Uhr. Wenn du die 7 Griffe einmal täglich als ruhiges Ritual machst, sammelt sich gar nicht erst so viel Luft im Bauch an.

Bei Ella haben wir das damals zur Goldenen Stunde umfunktioniert. Jeden Tag um 17 Uhr 10 Minuten Bauchmassage und Akupressur, mit gedimmtem Licht und ruhiger Musik. Das hat unsere Abende komplett verändert. Statt schreiendem Drama hatten wir entspannte Stunden.

Der Trick funktioniert weil du dein Baby nicht in der Eskalation behandelst, sondern im ruhigen Zustand. Da ist es viel empfänglicher für die Griffe, das Nervensystem hat noch Kapazität, die Wirkung ist tiefer.

Was du vermeiden solltest

Bei Blähungen kann man mit gut gemeinten Maßnahmen mehr Schaden anrichten als helfen. Diese fünf Dinge bitte sein lassen, auch wenn sie verlockend klingen oder von gut meinenden Großeltern empfohlen werden.

Luft raus, Ruhe rein: Der Soforthilfe-Guide bei Blähungen

Die 7 Griffe sind die Basis. Wenn du sie aber Schritt für Schritt mit Fotos und konkreten Anleitungen für jede Situation tief verankern willst, haben wir genau dafür den Soforthilfe-Guide Luft raus, Ruhe rein erstellt. Ein kompaktes PDF speziell für Blähungen und Koliken, mit detaillierten Schritt-für-Schritt-Bildern jeder Bewegung und der optimalen Reihenfolge.

Du bekommst nicht nur die Griffe, sondern auch die häufigsten Fehler die Eltern machen, einen Schnellfinder für akute Hexenstunden, präventive Tagesroutinen und ergänzende Tipps aus der Hebammenkunde. Alles auf den Punkt für genau dieses Thema, ohne dass du dich durch hunderte Seiten andere Themen klicken musst.

Hol ihn dir wenn du dieses Wissen wirklich verinnerlichen willst und nicht jedes Mal googeln möchtest wenn dein Baby drückt.

Häufige Fragen

Ab Geburt. Alle 7 Griffe sind sanft genug für Neugeborene und können bedenkenlos eingesetzt werden. Bei sehr kleinen Babys unter 4 Wochen: noch vorsichtiger mit dem Druck, die Bewegungen langsamer machen, Sequenz auf maximal 3 Minuten kürzen. Lieber einmal zu sanft als einmal zu stark. Mit 6 bis 8 Wochen kannst du auf die volle Sequenz hochgehen. Wichtig immer: Wenn dein Baby sich versteift, weint oder wegzieht, sofort pausieren und sanfter werden.

Im Prinzip so oft wie nötig. 3 bis 5 Mal täglich ist normal, bei akuten Beschwerden auch öfter, bis zu 8 Mal pro Tag. Es gibt kein „zu viel“ solange du sanft bleibst und dein Baby nicht überfordert wirkt. Manche Mamas machen die Sequenz fest nach jeder Mahlzeit (20 Minuten danach), andere nur bei Bedarf. Beides ist richtig. Wichtig ist die Konsistenz: Wenn du es täglich machst, lernt das Nervensystem deines Babys die Griffe als Beruhigungs-Signal kennen und reagiert nach ein bis zwei Wochen schon präventiv entspannter.

Manchmal sitzt die Luft hartnäckig fest. Versuch dann den Fliegergriff mit leichtem Wippen, etwa 5 Minuten lang. Die kombinierte Wirkung aus Druck, Bewegung und Vagusnerv-Aktivierung löst oft auch festsitzende Luftblasen. Eine andere Variante: Halte dein Baby aufrecht an deiner Schulter und klopfe sanft mit der hohlen Hand auf den oberen Rücken, fast wie zum Bäuerchen-Machen, aber länger und rhythmischer. Wenn nach 20 Minuten und mehreren Versuchen gar nichts hilft und der Bauch hart bleibt oder dein Baby untröstlich weint, ärztlich abklären lassen. Bei Erbrechen, Fieber, blutigem Stuhl oder ungewöhnlicher Schläfrigkeit immer sofort zur Kinderärztin.

Der Mythos dass Stillmütter blähende Lebensmittel wie Kohl, Hülsenfrüchte oder Zwiebeln meiden müssen, hält sich hartnäckig. Studien zeigen aber: Bei den meisten Mutter-Baby-Paaren macht die Ernährung der Mutter keinen messbaren Unterschied. Die in Kohl enthaltenen blähenden Stoffe gehen nicht in die Muttermilch über. Wenn du den Verdacht hast dass etwas Bestimmtes deinem Baby Probleme macht, führe für 5 bis 7 Tage ein Ernährungstagebuch. Wenn nach Weglassen eines bestimmten Lebensmittels (oft Kuhmilchprodukte oder Soja) deutliche Besserung eintritt, könnte eine echte Unverträglichkeit dahinterstecken. Für eine fundierte Diagnose: Hebamme oder Kinderärztin einbeziehen, nicht auf Verdacht verzichten.

Zwischen dem 3. und 5. Lebensmonat werden die meisten Babys deutlich blähungsfreier. Der Darm hat sich dann sortiert, die Peristaltik läuft stabiler, das Mikrobiom hat sich etabliert. Mit etwa 12 Wochen sehen viele Eltern die ersten deutlichen Verbesserungen, mit 16 Wochen ist die hauptproblematische Phase meist überstanden. Ab Beikoststart mit etwa 6 Monaten können nochmal kurz neue Blähungen auftauchen, weil sich der Darm an feste Nahrung gewöhnen muss. Diese Phase dauert aber meist nur 2 bis 4 Wochen und ist deutlich milder als die Säuglings-Blähungen. Wenn dein Baby auch nach dem 6. Monat noch starke und häufige Blähungen hat: ärztlich abklären, könnte ein Hinweis auf Unverträglichkeit oder Reflux sein.

Das hat meistens drei Gründe. Erstens: zu viel Druck. Sofort sanfter werden, fast nur die Haut streichen. Zweitens: falscher Zeitpunkt. Wenn dein Baby gerade hungrig oder sehr müde ist, ist es nicht aufnahmefähig für die Griffe. Erst Grundbedürfnis erfüllen, dann massieren. Drittens: dein eigener Stress. Babys spüren Anspannung sofort. Wenn du selbst gerade aufgewühlt bist und schnell helfen willst, überträgt sich das. Atme erst dreimal tief durch, dann beginne. Wenn dein Baby mehrmals beim Massieren weint, kurze Pause für 1 bis 2 Tage, dann nochmal versuchen. Viele Babys brauchen 5 bis 10 Versuche bis sie die Griffe als angenehm empfinden.

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Hinweis: Akupressur ersetzt keinen Kinderarztbesuch. Bei Fieber oder Krankheit bitte immer aerztlichen Rat einholen.