Startseite › Ratgeber › Baby Koliken: Was tun?
Susan · Mama von Ella · 8 Minuten Lesezeit · Aktualisiert: April 2026
Bei einem Kolik-Schub hilft die Kombination aus warmem Bauch (Körperkontakt oder Kirschkernkissen), dem Pups-Punkt, direkt unter dem Bauchnabel für 30 Sekunden sanft kreisen und Bauchlage auf deinem Unterarm. Diese drei Griffe wirken meist innerhalb von 2 bis 5 Minuten. Wenn dein Baby länger als 3 Stunden täglich schreit und das über 3 Wochen, sprich mit deiner Kinderärztin.
Du hast gestillt. Gewickelt. Getragen. Gesungen. Nichts hilft. Dein Baby zieht die Beinchen an, läuft rot an, schreit sich fast die Seele aus dem Leib. Und du stehst da, mitten in der Küche, und fragst dich zum zehnten Mal an diesem Tag: *Mache ich irgendwas falsch?*
Nein. Machst du nicht. Koliken sind kein Versagen der Eltern. Sie sind eine Phase, die vorbeigeht. Und es gibt konkrete Griffe, die deinem Baby wirklich helfen. Lass uns sie durchgehen.
In den nächsten Minuten liest du, warum Koliken überhaupt entstehen, wie der 5-Punkte-Notfallplan funktioniert, welchen Geheimtipp ich bei Ella entdeckt habe und was du auf keinen Fall machen solltest. Am Ende beantworte ich die fünf häufigsten Fragen, die mir Mamas immer wieder stellen.
Babys kommen mit einem unreifen Verdauungssystem zur Welt. In den ersten 12 Wochen muss sich der Darm erst sortieren. Er lernt zu kontrahieren, Luft zu transportieren, Nahrung aufzuspalten. Alles gleichzeitig. Und während er das lernt, kann er verkrampfen.
Dazu kommt: Luft, die beim Trinken geschluckt wird, findet oft nicht den Weg raus. Ein Baby hat noch nicht gelernt zu rülpsen oder zu pupsen. Die Luft bleibt im Bauch, drückt gegen die Darmwände, verursacht Schmerz.
Der dritte Faktor ist das Nervensystem. Dein Baby ist den ganzen Tag überreizt von Licht, Geräuschen, Berührungen, Bewegungen. Am Abend fließt diese Überreizung über. Das Nervensystem kann nicht mehr abschalten, und alles im Körper verkrampft, auch der Bauch.
Das Ergebnis: Verkrampfung im Bauch + Überreizung des Nervensystems + Luft, die nicht rauskommt = der typische Kolik-Schub am Abend, meist zwischen 17 und 22 Uhr. Bei manchen Babys passiert das täglich. Bei anderen nur phasenweise. Bei einigen Glückspilzen gar nicht.
Diese fünf Schritte machst du der Reihe nach. Bleib ruhig, atme selbst tief. Dein Baby spürt deine Anspannung durch deinen Herzschlag, deinen Muskeltonus, deine Stimme. Je ruhiger du wirst, desto ruhiger wird dein Baby.
01
Wärme entkrampft die Darmmuskulatur sofort. Ein angewärmtes Kirschkernkissen (handwarm, nicht heiß!) oder deine warme Handfläche direkt auf den Babybauch. Halte die Wärme für 2 bis 3 Minuten.
Wenn du kein Kirschkernkissen hast: Ein feuchtes Handtuch kurz in der Mikrowelle erwärmen, abkühlen lassen bis handwarm, dann auf den Bauch. Oder das klassische Dinkelkissen aus der Apotheke.
Wichtig: Vor dem Auflegen immer an der eigenen Innenseite des Handgelenks testen. Wenn es sich dort unangenehm warm anfühlt, ist es für dein Baby zu heiß.
02
Zwei Fingerbreit unter dem Bauchnabel. Dort sitzt in der TCM der Punkt Qi Hai (Meer der Energie). Er aktiviert den Darm und löst gefangene Luft.
Wie gehts: Mit zwei Fingern (Zeige- und Mittelfinger) sanft im Uhrzeigersinn kreisen. 30 Sekunden lang. Der Druck ist minimal, nur so, dass die Haut sich mitbewegt, nicht mehr. Das Baby soll den Kreis spüren, nicht den Druck.
Oft kommt innerhalb weniger Sekunden ein Pups. Manchmal erst nach 1 bis 2 Minuten. Manchmal gar nicht, und das ist auch okay. Selbst ohne Pups wirkt die Kreisbewegung beruhigend auf das Darmsystem.
03
Der Fliegergriff ist der Klassiker aus gutem Grund. Dein Baby liegt bauchseitig auf deinem Unterarm. Kopf in der Armbeuge, Beine hängen locker runter. Die andere Hand stabilisiert den Popo.
Was passiert: Der leichte Druck deines Unterarms auf den Babybauch wirkt wie eine sanfte Massage. Gleichzeitig spürt dein Baby deinen Körper, deine Wärme, deinen Herzschlag. Sicherheit plus Druck lösen den Krampf.
Leicht wiegen, langsam umhergehen. Nicht schaukeln, nicht hektisch. Langsame, ruhige Bewegungen. 2 bis 5 Minuten, manchmal länger.
04
In der weichen Mulde direkt unter dem Fußballen liegt der Solarplexus-Reflexpunkt. Oberes Drittel der Sohle, zentriert, nicht an den Zehen, nicht an der Ferse.
Mit dem Daumen sanft 20 Sekunden drücken. Dann loslassen, 5 Sekunden Pause, nochmal 20 Sekunden. Das zweite Mal auf der anderen Fußsohle.
Dieser Punkt beruhigt das gesamte Nervensystem, nicht nur den Bauch. Bei Kolik-Schüben, die aus Überreizung entstehen, ist er oft der Gamechanger.
05
Der Tor-zum-Geist-Punkt. Er sitzt in der dreieckigen Mulde im oberen Teil der Ohrmuschel, nicht am Ohrläppchen. Wenn du dein Ohr abtastest, findest du die Triangular Fossa, eine kleine Senke zwischen den Knorpel-Ranken.
Mit dem kleinen Finger oder einer sehr sanften Fingerkuppe 30 Sekunden halten. Kein Drücken, nur Halten. Beide Ohren nacheinander.
Shen Men ist der mächtigste Beruhigungspunkt des Körpers. Er ist der Grund, warum viele Babys einschlafen, sobald sie am Ohr gestreichelt werden.
Mach die Griffe proaktiv. Nicht erst wenn das Schreien beginnt.
Nach jeder Mahlzeit 1 Minute Bauch-Massage im Uhrzeigersinn. Abends zwischen 17 und 18 Uhr, also bevor die kritische Schrei-Zeit überhaupt losgeht, 30 Sekunden Pups-Punkt plus 20 Sekunden Solarplexus am Fuß. Das dauert zusammen unter zwei Minuten und kommt der Kolik-Welle zuvor.
Die Logik dahinter: Wenn du die Griffe erst bei Schrei-Eskalation machst, kämpft dein Baby schon gegen den Krampf. Der Körper ist angespannt, adrenalingeladen. Akupressur wirkt jetzt schwerer. Machst du die Griffe davor, bleibt das Nervensystem unter der Eskalationsschwelle. Der Kolik-Schub kommt oft gar nicht erst in Fahrt.
Verknüpfe die Griffe mit einer Routine, die du sowieso machst. Nach dem Wickeln = Bauch-Massage. Vor dem Abendritual = Pups-Punkt. So vergisst du es nicht.
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Von Koliken spricht man nach der sogenannten Dreier-Regel: mehr als 3 Stunden Schreien pro Tag, an mehr als 3 Tagen pro Woche, über mehr als 3 Wochen hinweg. Das sagt die Fachliteratur. In der Praxis reicht den meisten Eltern schon eine Woche intensives Abendschreien, um zu wissen, dass etwas nicht stimmt. Koliken treten meist zwischen der 2. und 12. Lebenswoche auf.
Wenn das Schreien von Fieber, Erbrechen (kein normales Spucken), Blut im Stuhl, Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust begleitet wird. Oder wenn dein Bauchgefühl sagt: Hier stimmt etwas nicht. Vertraue immer deinem Gefühl. Eine Untersuchung gibt Sicherheit, auch wenn sich alles als harmlos herausstellt.
Die Wirkung von Fencheltee ist wissenschaftlich nicht gut belegt. Wichtiger ist oft die Wärme der Flüssigkeit selbst, weniger der Fenchel. Vor Gabe immer mit der Kinderärztin rücksprechen. Bei Stillbabys unter 6 Monaten ist zu viel Wasser nicht empfohlen, weil es den Salzhaushalt durcheinanderbringt.
Bei den meisten Babys sind Koliken mit der 12. Lebenswoche vorbei. Bei manchen dauert es bis zum 4. oder 5. Monat. Die gute Nachricht: Es geht vorbei. Garantiert.
Ja, ab Geburt. Die Griffe sind sanft und kurz (20 bis 30 Sekunden). Wichtig: sanfter Druck, nie Schmerzen auslösen. Wenn dein Baby sich entzieht oder unwohl wirkt, Pause machen. Bei Frühchen oder Babys mit besonderen gesundheitlichen Herausforderungen immer vorher mit Kinderärztin oder Hebamme sprechen.
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